Welche Temperaturen vertragen Nymphensittiche? Können sie ganzjährig draußen bei uns im Freien gehalten werden? Mit diesem Thema habe ich mich eingehender auseinandergesetzt, nachdem Tk und ich doch so einiges an Erfahrungswerten darüber bei unseren Aufenthalten in Australien sammeln konnten. Ich versuche, Euch nun detaillierter meine persönliche (!) Meinung zu erläutern, die sich nicht mit den Aussagen deckt von Leuten, die behaupten, Nymphies seien winterhart und könnten das ganze Jahr über (ob mit oder ohne Schutzraum) im Freien gehalten werden:
Die "Winter" in Australien sind nicht mit unseren zu vergleichen - bzw., dort, wo es schneit und in etwa annähernd ähnliche Bedingungen herrschen wie bei uns (z.B. Tasmanien, südl. Bereich der Ostküste), gibt es keine wilden Nymphies!
>> Australienkarte mit den niedrigsten Temperaturen eines Jahres im Vergleich zu >> Australienkarte mit den höchsten Temperaturen eines Jahres
Vergleicht diese Karten bitte mit den Karten über das Vorkommen der wilden Nymphensittiche, die Ihr unter "Kurzinfos A - Z" und dort unter
findet. Und was seht Ihr? Richtig: Sie kommen erst weiter nördlich und vor allem weiter Richtung Landesinnere vor; dort herrscht ein anderes Klima als an der Küste; Unser Winter (kalt, nass) ist nicht gleich australischer Winter (zumindest dort, wo die Nymphies leben), denn dort wird unterschieden zwischen der Trockenzeit und der Regenzeit; Regenzeit = immer warm, schwül, heiss, nass und Regen und die Trockenzeit = tags warm, nachts kälter/sehr kalt, trocken
Direkt im Red Center oder auch in anderen Wüstengebieten gibt es zwar durchaus mal Minustemperaturen bis 10 Grad minus in etwa - nachts! Tagsüber ist es wieder warm; Damit es jedoch so kalt werden kann, darf keine Wolkendecke da sein (darum wird es ja so kalt); wo keine Wolkendecke ist, fällt auch kein Regen/Schnee. Sprich, die Minusgrade treten NUR in der Trockenzeit auf!
Und damit sind wir beim wichtigsten Unterschied (immer darauf bezogen, wo wilde Nymphies dort vorkommen!): die Kombination Frost-Nässe bei uns und die Kombination Frost-Trockenheit down-under und ... dass down-under die Minusgrade mal während der Nacht auftreten und es tagsüber wieder "schön warm" wird.
Und DAS ist meiner Meinung nach der gewaltige Unterschied, der gerne vernachlässigt wird, wenn es um "winterharte" Nymphies geht: sie vertragen sicher mal Frost, aber bestimmt nicht tagelangen Frost mit feuchtem Wetter - und das ungeschützt! Und ... Volierengitter, an dem die Füßchen (wenn's blöd läuft) festfrieren können oder Wasserstellen durch die sie laufen und dann nasse Füsse / nasses Gefieder haben ... Gut, ich bin sehr kritisch jetzt und sehe vor meinem geistigen Auge auch bestimmt insgeheim manche aufschreien, was ich da an "quatsch" schreibe und dass es zig Halter / Nymphies gibt, bei denen die Nymphies auch im Winter draussen leben ... usw. usw. Ja, das mag so sein, denn Nymphies sind sehr anpassungsfähig und haben über die Generationen hinweg inzwischen "gelernt", auch mit unserem Klima zurecht zu kommen, aber ich würde niemals behaupten, dass Nymphies ihrer Natur nach bei uns winterhart sind und unser Winterklima draussen ohne Schutzhaus ähnlich wie in Australien ist und für sie deshalb ebenfalls unproblematisch.
Wir haben ja selbst bei unseren beiden Aufenthalten down-under wilde Nymphies gesucht wie die Weltmeister und Gott und die Welt danach gefragt. ALLE waren sich dahingehend einig, dass "you never know, they follow the seeds" .... Nymphies sind Nomaden und folgen dem Futterangebot; sie fliegen weite Strecken (bis zu 200 km täglich) deswegen; das Futter, das sie brauchen, wächst wegen der extremen Dürre und Trockenheit ihres natürlichen Umfeldes entweder nur nach der Regenzeit oder aber in gemäßigteren Zonen (Richtung Küste): sprich, Nymphies halten sich dann dort auf, wo und wenn es Futter gibt - und das ist NICHT die High-Season der Trockenzeit (da ist ja alles schon verdorrt) zu der dann die Minus-Grade herrschen.
Dadurch dass Australien die verschiedensten Klimazonen hat und Nymphensittiche ein Nomadenleben führen, gibt es für sie doch gar keine Notwendigkeit, irgendwo zu bleiben, wo es "ungemütlich" für sie wird. Mag sein, dass sie ab und an mal eine frostige Nacht erwischen, aber ganz sicher nicht auf Dauer oder längere Zeit - so wie das Klima bei uns im Winter ist. Deshalb von meiner Seite ein klares NEIN dazu, ob Nymphies bei uns das ganze Jahr über im Freien gehalten werden können, auch wenn ein Schutzraum vorhanden ist.
|