Der Nymphensittich lateinischer Name: Nymphicus hollandicus Geschichte: 1781 sind die ersten Berichte von Dr. John Latham (* 27. 06.1740 in Eltham, † 04.02.1837, britischer Arzt, Ornithologe, Naturforscher und Autor, Offizier in Captain Cook's Mannschaft während dessen Reise nach Australien) dokumentiert, der ihn als "crested parakeet" beschreibt. 1788 beschreibt Johann Friedrich Gmelin (* 08.08.1748 in Tübingen, † 01.11.1804 in Göttingen, deutscher Mediziner und Naturwissenschaftler) ihn als "Kakadusittich" und gab ihm den lateinischen Namen "Psittacus novaehollandiae" (Novaehollandiae = Neuholland, war bis Anfang des 19. Jahrhunderts die Bezeichnung für Australien). 1792 wird von Robert Kerr (* 1755 in Roxburghshire, † 11.10.1813 in Edinburg,wissenschaftlich arbeitender Autor, Übersetzer und Zoologe aus Schottland) der Artennahme "hollandicus", der noch heute seine Gültigkeit hat, festgelegt. 1832 stellt Johann Georg Wagler (* 28.03.1800 in Nürnberg † 23.08.1832 in München, deutscher Zoologe und Herpeloge) die Gattung "Nymphicus" auf. Eine nette Geschichte wird erzählt, was die Namensgebung anbelangt: Die Bezeichnung "Nymphicus", was im griechischen "mädchenhaft" heißt, soll von seiner Anmut, schlanken, eleganten Gestalt und seiner Schönheit (wie die Nymphen aus der griechischen Sagenwelt) herkommen: Daraus wurde die nun überall bekannte und gebräuchliche Bezeichnung "Nymphicus Hollandicus". Zuordnung (Systematik): Lange Zeit waren sich die Forscher nicht einig, wo sie den Nymphensittich im Verwandtschaftssystem der Papageien zuordnen sollen: zu den Kakadus (Cacatuidae) oder zu den Plattschweifsittichen (Platiceridae), da sie für beide Arten typische Verhaltensweisen zeigen. Inzwischen wird der Nymphensittich als eigene Unterfamilie mit nur einer Gattung der Familie Kakadus zugerechnet, eine systematische Sonderstellung. G. A. Smith (The Encyclopedia of Cockatiels) sieht die Nymphensittiche als sehr alte Reliktform und als Bindeglied zwischen den Kakadus und den Papageien an. Inzwischen ist eine nahe Verwandtschaft mit den Rabenkakadus (Calyptorhynchus), den Helmkakadu (Callocephalon fimbriatum) und den Rosakakadu (Eolophus roseicapilla) erwiesen. | Ordnung: | Psittaciformes | (Papageien) | | Familie: | Cacatuide | (Kakadus) | | Unterfamilie: | Nymphicinae | (Nymphensittiche) | | Gattung: | Nymphicus | |
Gemeinsamkeiten von Nymphensittichen und Kakadus sind das bewegliche Häubchen, die Puderdunen und das Brutverhalten. Im Juli 2005 schlüpfte in Australien bestätigterweise (!) die erste und rein zufällige Kreuzung zwischen einem Nymphensittich (Henne) und Rosa Kakadu (Hahn), vor Ort Galatiel genannt, womit die Zugehörigkeit zu den Kakadus wissenschaftlich bewiesen wurde. Mehr Infos dazu finden sich in unserem NL-Forum unter Kreuzung zwischen Rosa Kakadu und Nymphensittich - inkl. Video des Hybriden. Aussehen der Wildform: 30 bis 33 cm lang, Gewicht ca. 90 bis 110 g, Farbe grau (geschlechterunterschiedlich), typische ca. 5 cm lange, schlanke Federhaube mit der wie bei den großen Kakadus Stimmungen ausgedrückt werden Hahn: grau mit markanten weißen Flügeldecken, kräftiger orange-roter Wangenfleck, ausgeprägte gelbe Gesichtsmaske, Haubenfedern im Ansatz gelb, Schwanzgefieder Oberseite silbergrau, Unterseite dunkelanthrazit bis schwarz. |  Henne links, Hahn mittig rechts, um ihn herum 3 Jungvögel aufgenommen von uns in Australien, Queensland | Henne: bräunlichgrau mit markanten weißen Flügeldecken, blasse orange-rote Wangenflecke, Haubernfedern in Gefiederfarbe, Schwanzgefieder deutlich gelb-braungrau marmoriert Jungvögel: sehen alle aus wie Hennen |
endemisches Vorkommen der Wildform und Herkunft: Australien Lebensraum: trockene Inlandsgebiete mit bevorzugt weiter, offener Gras-/Busch- und Eukalypthussavanne in küstenferneren Bereichen Australiens (idR nicht direkt in den Küstengebieten vorkommend), zur Brutzeit bevorzugt in Gegenden mit hohen Bäumen (Nisthöhlen) und ausreichendem Futter- und Wasserangebot, auch in menschlichen Siedlungsgebieten (Farmland). Teilweise gelten sie dort noch als "pest" (ebenso wie z. B. die Rosa Kakadus) und werden ver- und auch gejagt. Sie gelten generell als nicht gefährdet, jedoch wird der vorhandene Wildbestand als abnehmend bezeichnet. In der Literatur finden sich die unterschiedlichsten Nachweise über das Vorkommen (siehe Landkarten). |  Aufenthaltsbereiche im Jahresablauf (zusammengestellt nach Daten von Birddata.com) |
Charaktereigenschaften: sehr ausgeprägtes Sozialverhalten, Schwarmvogel (deshalb bevorzugt mindestens paarweise Haltung), friedlich mit niedrigem Aggressionspotential; während der Brutzeit jedoch starke Verteidigung des Brutplatzbereiches bei beiden Geschlechtern möglich; freundlich, aufgeschlossen, neugierig, bei Fehlhaltung Gefahr zur Entwicklung des "Schreiers"; idR sehr nachahmungsfreudig (Hähne) was pfeiffen und Melodien betrifft, Sprachnachahmung eher gering; Europa: In Europa erschienen sie ca. 1840, als sie erstmals lebend nach England eingeführt werden konnten; ab ca. 1850 waren sie dann auch in Deutschland anzutreffen. Waren anfänglich nur einige wenige Tiere von Seeleuten mitgebracht worde, so boomte der Handel mit Nymphensittichen sehr schnell. Die Sterblichkeitsrate war jedoch enorm: Transport und feuchtes Klima bei uns forderten ihren Tribut. Der immer mehr steigenden Nachfrage drohte ein Ausverkauf der Natur in Australien. Ab ca. 1855 gelangen die ersten Zuchten in Deutschland: mit dem steigenden Wissen um die Haltungsbedingungen stieg auch die Überlebens- und die Zuchtrate. Dennoch wurden trotz geglückter Nachzuchten bis 1894, dem Jahr, in dem die australische Regierung ein striktes Ausfuhrverbot für einheimische Tiere erließ, weiter viele Wildfänge nach Europa importiert. Farbschläge: Aus den wildfarbenen Nymphensittichen entwickelte sich im Laufe der letzten knapp 150 Jahre eine Reihe von Farbschlägen. Die ersten "Farben" sind Ende 1940 in den USA gezüchtet worden, es waren Schecken, denen Ende der 50er Jahre die Lutinos folgten. Mitte der 60er wurden in Europa Zimter und 1967 erstmals Geperlte gezüchtet, wildfarbige Weißköpfe und echte Albinos traten 1978 in Deutschland in Erscheinung. Da alle Farben untereinander kreuzbar sind, entwickelten sich durch Zufall, aber auch durch selektive Zucht eine Reihe weiterer Farben: die neuesten Farbschläge sind die Farben "oliv", Platinum und Spangle. Letztere beiden werden derzeit in Australien gezüchtet. mehr Infos über wilde Nymphensittiche ist hier auf unseren Seiten unter "wilde Nymphensittiche" zu finden.
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