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Bleivergiftung ... - ein Bericht von Silke: Blei in Gardinen! Unsere vier Nymphies Paulinchen, Poldi, Karli und Süßes hatten mal wieder keine Lust mit uns in ein anderes Zimmer zu gehen, sondern wollten lieber im Wohnzimmer bleiben und dort auf ihrem Spielplatz oder an ihrer Voliere bleiben. Nun gut, haben wir gedacht, was soll da schon passieren? Lassen wir die Türen auf und gucken mal ab und zu nach den Vieren. Das war am Dienstag 07.01.03.
Abends dann haben wir bemerkt, das sich Poldi ganz anders als sonst verhält. Er saß ganz teilnahmslos da und gab keinen Mucks von sich, ganz untypisch für ihn! Dann haben wir noch gesehen, dass er sich übergab! Wir dachten uns nichts Schlimmes, nahmen an, dass er sich nicht wohlfühlen würde und haben als erste Maßnahme einen alten Käfig als Krankenkäfig umfunktioniert: weißes sauberes Papier auf den Boden, frisches Futter und Wasser in den Käfig, eine Kolbenhirse reinlegen und sonst nur noch die Sitzstangen hineingeben. Dann wurde der kleine Kerl da hineingesetzt und mit der Rotlichtlampe bestrahlt.
Bei der Inspektion des Wohnzimmers, das denn nun für sein Verhalten die Ursache sein könnte, fiel uns auf, dass die Gardine unten angeknabbert war...!
Poldi saß die ganze Nacht teilnahmslos und mit geschlossenen Augen auf der Stange, man konnte ihm seine Lieblingskörnchen vor den Schnabel halten, er zeigte kein Interesse. So sind wir am nächsten Morgen (Mittwoch 08.01.03) direkt mit ihm zum Tierarzt gefahren. Wir haben ihm unseren schlimmen Verdacht gesagt (dass Poldi möglicherweise unten an den Gardinen geknabbert haben könnte) und er hat daraufhin Poldi geröntgt. Der Kleine hatte tatsächlich Blei im Magen, ein großes Stück. Der TA hat uns daraufhin Rescue Tropfen und ein harntreibendes Mittel mitgegeben, das wir dem Kleinen in den Schnabel träufeln sollten und noch zusätzlich ins Wasser geben sollten. Laut TA standen die Chancen 50:50.
Gerade wieder zu Hause mit Poldi sehen wir Karli, der nur Wasser brach und einen bräunlich-blutigen Stuhl hat. So haben wir ihn direkt in den zweiten alten Käfig, den wir zum Glück noch hatten, gesetzt und sind mit ihm wieder zum TA. Auch Karli hatte Blei im Magen, aber weniger als Poldi. Zu Hause haben wir beide in einen Krankenkäfig gesetzt. Beide wollten nicht mehr fressen, so haben wir sie alle drei Stunden gefangen und ihnen einen Brei aus Harrison´s Bird Food mit Wasser vermischt mit einer Spritze in den Schnabel injiziert. Dazu dann Honigwasser, um sie bei Kräften zu halten.
Poldi hat jegliche Nahrungsaufnahme verweigert und auch bei Karli war es nicht anders.
Abends dann hat sich Karli auf den Boden gesetzt. Wir haben dann noch ein Schälchen mit Wasser auf den Boden in seine Reichweite gestellt und er hat fleißig getrunken, doch er konnte es nicht bei sich behalten, es kam direkt wieder heraus!
Stunde um Stunde ist er schwächer geworden, er ließ sich sogar ohne großes Murren einfangen, was bei ihm wirklich viel bedeutete.
Wir haben zwischendurch immer wieder den TA angerufen und ihm die Lage berichtet. Am nächsten Tag, Donnerstag der 09.01.03 ging es Karli unheimlich schlecht. Er hatte die Nacht über noch mehr abgebaut. Jegliche Nahrung erbrach und sein Kot war nur noch Wasser, braunrot... . Erneut haben wir mit dem TA gesprochen und er meinte, das Karli unheimliche Schmerzen haben müsse, er meinte weiter, er habe wohl keine Chance mehr. Was sollten wir tun? Unnötig leiden lassen wollten wir unseren kleinen Freund doch auch nicht.
Beim TA hat mein Freund Karli eingefangen, der Arzt hat ihm dann die erlösende Spritze gegeben. Während Karli eingeschlafen ist, haben wir ihn gestreichelt, doch Karli wollte nicht gehen, der TA meinte, er spürt, das er hier noch gehalten wird, wir sollten ihn lieber in unser mitgebrachtes Kistchen legen. Karli ist an jenem Donnerstag um 10:30h eingeschlafen. Wir haben ihn bei meinen Eltern im Garten beerdigt.
Nachmittags haben wir festgestellt, das nun auch Süßes anfing zu erbrechen. So sind wir auch mit ihr umgehend zum TA gefahren. Dort ist festgestellt worden, dass auch sie Blei in ihrem Körper hat, wenn auch nur ganz kleine Partikel. Sofort hat ihr der TA eine Vitaminaufbauspritze gegeben um sie zu stärken. Der TA meinte nun, das wir die beiden kKranken (Poldi und Süßes) 1x pro Stunde tagsüber und nachts alle 4 Stunde füttern sollten, damit sie nicht zu schwach werden. Samstag (11.01.03) vormittag sollten wir beide Tiere für ein paar Stunden beim TA lassen, damit sie beide etwas beobachten können und nochmals eine Kropfspülung machen können. Wir taten es und haben samstag nachmittags beide dann wieder abgeholt. Süßes schien es wirklich ein kleines bißchen besser zu gehen, doch Poldi ging es ganz schlecht. Er saß nur noch auf dem Boden, nahm keine Bewegung um ihn herum wahr, jedes Fangen für ihn war eine Qual, der Brei lief im aus dem Schnabel in sein Gefieder, es tat einem so sehr im Herzen weh und doch wollten wir unseren Kampf nicht aufgeben.
Das Schlimmste war die plötzliche Ruhe in der Wohnung, Paulinchen rief zwar nach ihren Freunden, doch war alles so unheimlich still, keiner der kranken Vögel hat gerufen, Paulinchen konnte noch so sehr schreien.
Um Poldi und Süßes zu beruhigen, haben wir Entspannungsmusik aufgelegt und überall bunte Poster mit vielen gelb, rot, blau und grün - Tönen aufgehangen, damit sie sich diese Farben, die sie brauchen, "herausziehen" können.
Jede Stunde die gleiche Prozedur, Zimmer abdunkeln, blaues Licht an, damit die Nymphies weniger sehen, ein kleines Gästehandtuch nehmen und damit den Nymphie einfangen. Dann abwechselnd mit Brei und Honigwasser, die in einer 10ml Spritze immer frisch angesetzt sind, gefüttert. Jedesmal versuchen, soviel wie nur möglich dem Tier zu geben.
Sonntag (12.01.03) morgen dann, Poldi hatte immer mehr abgebaut... das einst kräftigste unserer Männchen ist nur noch ein Schatten seiner selbst... mußten wir wieder eine sehr schwere und endgültige Entscheidung treffen: wir wollen Poldi weiteres Leiden ersparen, es tut so weh ihn so leiden zu sehen, wenn er einen mal kurz anblickt, so meint man zu sehen, das er erlöst werden möchte.
Wir haben Paulinchen, sein Weibchen nochmals geholt und wollten, dass sie sich voneinander verabschieden können, doch Poldi hat auf sie gar nicht reagiert und Paulinchen hat ihn gar nicht mehr erkannt, sie hatte regelrecht Angst vor ihm. Es war so unheimlich, keiner sagte auch nur irgend etwas.
Wir können es nicht länger mitansehen, wir lassen ihn einschläfern, um ihn von seinen Qualen zu erlösen. Wir haben ihn bei der Spritze festgehalten, es ging so schnell Poldi starb am Sonntag, dem 12.01.03 um 11h in unseren Händen, wir haben ihn bis zum Schluß gestreichelt. Er ist sofort eingeschlafen, er muß solche Schmerzen gehabt haben!
Wir haben ihn neben Karli beerdigt, sie haben ein schönes Plätzchen, mit Blick auf den Himmel und auf blühende Bäume, es würde ihnen gefallen... .
Wir sind am Ende unserer Nerven. 50% unserer geliebten "grauen Flotte" existiert nicht mehr! Zwei unserer 4 Nymphies sind tot.
Und Süßes? Die Dritte, die an der Gardine genagt hatte? Hat sie überhaupt eine Chance, fragen wir uns immer wieder. Und doch, wenigstens einer muß es doch schaffen. Wir sammeln uns und füttern Süßes jede Stunde einmal, nachts reduzieren wir die Zeit auf alle zwei Stunden. Wenn das Blei in ihrem Körper bis Mittwoch, den 15.01.03 nicht ausgeschieden ist, so wird sie auch keine Überlebenschance haben, sagte uns der TA. Bis dahin müsse alles ausgeschieden sein, ansonsten gehe das Blei in den Körper über und könne dort schwere, bleibende Schäden auslösen, bzw. zum Tod führen.
Inzwischen lassen wir die blaue Lampe auch so an, denn das Licht soll gut gegen Magenkrämpfe sein und die scheint Süßes zu haben. Sie sitzt fast ausschließlich im blauen Licht, mit geschlossenen Augen, recht teilnahmslos. Dienstag, 14.01.03, ist dann die erste Besserung in Sicht! Süßes wehrt sich immer mehr, wenn man sie einfängt, sie ist wieder etwas kräftiger geworden, abends sehen wir sie ein paar kleine Körnchen knuspern, wir trauen unseren Augen kaum. Wir stellen ihr ein Schälchen mit Wellifutter hin, doch da geht sie nicht heran, dann streuen wir ein paar Körnchen auf den Boden, sie nimmt sich ein paar Körner, welch eine Freude!!
Donnerstag, 16.01.03, der Gang zum TA naht. Doch wir scheinen wenigstens einen gerettet zu haben, Süßes hat kein Blei mehr im Magen, sie lebt!! Von Tag zu Tag wird sie kräftiger, freitags schon frißt sie wieder ganz eigenständig, sie scheint über den Berg zu sein!
Seit Samstag, dem 18.01.03 sind beide, Paulinchen und Süßes wieder zusammen in der Wohnzimmervoliere. Paulinchen ist nun froh, nicht mehr alleine zu sein. Sie hat immerzu gerufen und ist auch gar nicht mehr geflogen, obwohl sie das früher immer so liebte.
Süßes war bis etwa drei Wochen später, immer noch sehr bedächtig und ruhig, doch man merkte, wie sie von Tag zu Tag lebhafter wurde. Ihr anfängliches Zittern und ihre merkwürdige Stellung auf den Zehenspitzen zu stehen, hat sie verloren. Süßes hat es geschaftt! Sie hat überlebt! Die Stille in der Wohnung ist nun zum Glück wieder vorbei, Nymhphierufe und starker Flug- und Landeverkehr bestimmen wieder unseren Alltag, Gott sei dank!! Wir haben unsere Gardine vorerst mit dem Sitzpolstern für die Gartenstühle gesichert. Bis die Gardine gekürzt ist, bleiben unsere Nymphies keine Sekunde unbeaufsichtigt im Wohnzimmer.
Ich bitte Euch, auch wenn ihr meint, kein Bleiband in der Gardine zu haben (so wie wir), auch wenn ihr glaubt, Eure Nymphies fliegen nie auf den Boden, denn bis dato waren sie da ja noch nie (so wie wir), auch wenn ihr meint, Eure Lieben haben doch gar nicht so viel Kraft im Schnabel (so wie wir), Ihr bekommt jede Bewegung mit, wenn ihr in einem anderen Zimmer seid, denn ihr paßt ja auf (so wie wir)... Eure Nymphies belehren euch eines Besseren. Wir haben all das geglaubt und es war alles falsch!
Bitte kontrolliert sorgfältig Eure Gardinen und Vorhänge auf Bleibänder und entfernt sie, nicht nur umnähen, sondern abschneiden! Alles andere hat keinen Sinn! Bitte tut es Euren Nymphies zuliebe und auch Euch, ihr könnt Euch und Euren Nymphies damit jede Menge Qualen und Leiden ersparen! Anmerkung NL: guckt mal bitte hier ... da seht Ihr, was Ihr sonst vielleicht nicht seht bzw. nicht für möglich halten würdet!
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