|
Spulwurmbefall ... ein Bericht von Trisha: Der Spulwurm ist vor allem für Sittiche ein sehr gefährlicher Parasit. Leider habe ich persönliche Erfahrungen damit machen müssen und will meine Erfahrungen nun an alle weitergeben, deren Vögel auch diese unangenehme Diagnose gestellt bekamen und nun nicht genau wissen, was zu tun ist. Von vornherein sollte man jeden neuen Vogel, den man kauft, geschenkt bekommt oder aus dem Tierheim holt, von einem vogelkundigen Tierarzt wegen möglicher Parasiten untersuchen lassen. Dafür reicht eine Kotprobe, das Ergebnis erhält man oft in wenigen Stunden, es ist nicht teuer und man kann sich schlimme Folgen ersparen. Ich hielt es beim Kauf meiner Vögel nicht für nötig. Sie sahen beide gesund aus und benahmen sich auch so. Ich konnte absolut nichts anormales feststellen. Ich habe zwei Nymphensittiche, einen Hahn und eine Henne. Den Hahn besaß ich, als ich die Spulwürmer entdeckte, bereits 2 Monate, die Henne erst 4 Wochen. Die Vögel waren beide noch jung, 6 und 3 Monate alt. Ich entdeckte den komischen "Wurm", als sich mein Hahn putzte und ich zufällig daneben saß. Er zog sich dieses Ding aus der Kloake. Ich fragte mich eine Weile, was das wohl sein könnte, da es mir aber sehr ungewöhnlich vorkam, rief ich in einer Tierarztpraxis an. Das war an einem Samstag. Ich bekam einen Termin für Montag. Den komischen Wurm hob ich auf. Am Montag in der Tierarztpraxis musste ich die Vögel dort lassen, da ich nicht genug Kot für eine Kotuntersuchung schon vorher gesammelt hatte. Aufgrund des Wurms erkannte der TA sofort, dass es Spulwurmbefall sein musste, jetzt musste nur noch festgestellt werden, wie stark. Als ich abends wiederkam, um die Zwei abzuholen, stand die Diagnose fest: Massiver Spulwurmbefall. Die Vögel bekamen mit einer sehr langen Spritze durch den Schnabel das Wurmmittel direkt in den Magen gespritzt, dem Geschrei zu urteilen, war das nicht gerade angenehm. Die Behandlung musste noch 2x wiederholt werden mit dem Ergebnis, dass die Zwei danach leider nicht mehr zahm waren und ich erst langsam wieder Vertrauen aufbauen musste. Parallel zur Behandlung erfolgte sie Säuberung und Desinfektion meiner Wohnung. Ich holte mir aus einer Tierhandlung ein Desinfektionsmittel, das für Tiere angeblich völlig ungefährlich sein sollte. Ich säuberte erst den Käfig gründlich, Wanne und Näpfe desinfizierte ich mit dem Mittel, das ich aber später wieder gründlich abspülte. Dabei ist darauf zu achten, dass das Wasser möglichst heiß ist. Alles, was aus Holz oder anderen natürlichen Materialien war (Sitzstangen, Kletterbaum, Korkplatten, Sisalspielzeug) wurde entweder in Töpfen ausgekocht oder wenigstens mit kochendem Wasser übergossen und gründlich abgeschrubbt, danach noch mal kochendes Wasser. Die Vögel durften aber erst mal 3 Tage nicht aus ihrem Käfig, da nun die Spulwürmer abgingen. Jeden Tag musste der Käfig erneut gründlich gereinigt werden. Die Spulwurmbehandlung muss je nach Mittel nach 2-3 Wochen wiederholt werden, da nur die erwachsenen Würmer abgetötet werden. Die weiblichen Spulwürmer legen am Tag viele tausend Eier, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Bei normalen Temperaturen halten sich diese Eier sehr lange. Der Vogel nimmt diese Eier wieder zu sich, so gelangen diese wieder in den Verdauungstrakt. Sie entwickeln sich dort zu Larven, bohren sich durch die Darmschleimhaut und durchwandern verschiedene Organe bis in die Lunge. Dort angekommen sind die Larven fertig entwickelt, wandern die Luftröhre hinauf und werden erneut abgeschluckt. Jetzt können sie sich im Darm zu neuen erwachsenen Würmern entwickeln. Larven, die sich gerade irgendwo im Körper befinden, werden durch die Wurmmittel nicht abgetötet. Der Weg durch die Organe dauert ca. 10 Tage, die Entwicklung zum geschlechtsreifen Wurm im Darm noch mal ca. 4 Wochen. In dieser Zeit müssen diese restlichen Würmer erneut abgetötet werden, damit nicht wieder neue Eier entstehen können. Wenn alles gut geht, gehören die Spulwürmer dann der Vergangenheit an. Ich musste leider die Erfahrung machen, dass meine Henne, die ja noch sehr jung war, die Behandlung und das Gift der Spulwürmer nicht gut verkraftete. Spulwürmer scheiden immer Gift aus, das die Vögel langsam vergiften kann - wenn sie abgetötet werden, tun sie dies noch verstärkt. Ich musste zusehen, wie es dem Vogel schlechter und schlechter ging. Das Spulwurmgift hatte nun schon die Nieren geschädigt, das zentrale Nervensystem schien auch angegriffen zu sein. Er fußte nur noch sehr unsicher und litt unter Gleichgewichtsstörungen. Es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Als Folge des anhaltenden Durchfalls und einer ersten Antibiotikabehandlung bekam die Kleine auch eine Darmentzündung und hatte Blut im Kot. Es folgte eine zweite Antibiotikabehandlung, dem Vogel ging es sehr schlecht, aber nach 2 Wochen trat erstmals wieder eine Besserung auf und jetzt geht es langsam wieder bergauf. Spulwürmer können, wenn sie sehr spät entdeckt werden, äußerst unangenehme Folgen haben. Bei sehr starkem Befall kann der Vogel an einem "Wurmknäuel" sterben, das den Darm verschließt. Das Gift der Würmer hat nicht selten Organschäden zur Folge (v.a. Leber und Nieren), die bei Vögeln sehr schwerwiegend sind. Gelangt das Spulwurmgift bis ins Gehirn, kann das zentrale Nervensystem geschädigt werden, der Vogel bekommt evtl. eine unnatürliche Kopfhaltung oder Lähmungserscheinungen. Um all diesen Folgen vorzubeugen, kann ich nur empfehlen, etwa einmal im Jahr bei einem TA eine Kotuntersuchung vornehmen zu lassen, bei Außenvolierenvögeln 2x im Jahr. Spulwurmeier können auch durch Äste aus dem Garten oder Wald in die Wohnung getragen werden. Deswegen Äste von draußen und auch Obst immer gründlich waschen (Äste heiß und gründlich abschrubben), bevor man es dem Nymphensittich anbietet. Ich habe meine Erfahrungen in dieser Sache gemacht und kann nur hoffen, dass es möglichst vielen Nymphensittichhaltern erspart bleibt.
|