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Epilepsie

Epilepsie bei Vögeln ...Copyright: Phantomine

 

- ein Bericht von Petra S.

 

Es gibt Epilepsie bei Vögeln. Nur gibt es überhaupt keine Medikamente, die einem an Epilepsie so schwer erkrankten Vogel, wie ich ihn hatte, das Leben wirklich lebenswert machen können. Ich erzähle mal wie die Krankheit verlaufen ist, weil ich denke, dass diese Sache nicht überaus oft vorkommt, und für Vogelhalter sicher interessant ist.

Ich habe eine private Vogelauffangstation und hab vor ca. drei Monaten vier Nymphensittiche übernommen, die ein neues Zuhause brauchten. Drei der Vögel (alles Geschwister) konnten erfolgreich in liebe Hände vermittelt werden, nur der eine Nymphie war in seinem Verhalten auffällig. Er blieb bei mir, weil ich erst herausfinden mußte, was mit ihm los ist. Es war ein süßer, geperlter Hahn, der nicht mit den anderen verwandt war und ich nannte ihn Angel.

Auffällig war zuerst für mich, dass seine Flügel bereits blutverkrustet waren als die Leute mir die Vögel brachten, insbesondere der rechte. Die Besitzer wollten nicht so recht mit der Sprache raus, wie das passiert ist. In der nachfolgenden Zeit mußte ich feststellen, dass Angel nicht nur nachts, sondern zwei Wochen später auch zunehmend am Tage aus unbekanntem Grund plötzlich das Gleichgewicht verlor, vom Ast fiel wie ein Stein und nicht in der Lage war, nach oben zu fliegen oder zu klettern. Er versuchte permanent, durch Springen gegen den Volierendraht nach oben zu gelangen. Seine Wunden an den Flügeln konnten dadurch nicht richtig verheilen, sondern wurden sehr oft wieder aufgerissen.

Da mir die ursprünglichen Besitzer nicht weiter bekannt waren, hatte ich zuerst den Verdacht, dass es sich um einen gestörten, verängstigten Vogel handelt, und ich beobachtete ihn weiter und installierte ein Nachtlicht im Vogelzimmer. In den nächsten Tagen stellten sich weitere Symptome ein. Als nächstes bemerkte ich, dass er mit dem Schnabel unkoordinierte, hektische Putzbewegungen im Gefieder machte. Dieses Verhalten erinnerte sehr an einen Milbenbefall. Ich machte also eine Feder- und Hautanalyse unter dem Mikroskop, das Ergebnis war negativ.

Einige Tage später kamen Symptome wie hektisches Kopfschütteln dazu, und eine sehr unsichere Fußung auf den ungleichmäßig beschaffenen Weidenästen. Der Vogel hielt sich nur noch auf den Holzbrettchen auf, die sich bei mir in allen Volieren befinden. Ich installierte kleinere und größere Leitern in dieser Nymphenvoliere, damit Angel besser nach oben klettern konnte wenn er unten am Freßnapf war.

In dieser Nymphenvoliere (ich habe mehrere) lebte Angel zusammen mit einem Paar namens India und Justin, einer davon ist ein Rupfer, und einer noch "alleinstehenden" Henne namens Königin Grace, die eine extreme Schnabeldeformation hat und nur Nahrung aufnehmen kann, wenn der Schnabel alle zwei Wochen sorgfältig geschnitten wird. Das Zusammenleben war stressfrei, alle Vögel verstanden sich prima und ich habe von Anfang an ausschließen können, dass Angels Verhalten durch Stress hervorgerufen wird.

Auffällig war, dass - im Gegensatz zu den Anfällen, die den Eindruck machten, aus Panik heraus entstanden zu sein - der Vogel relativ zutraulich war wenn man mit ihm sprach. Er kam sofort an den Volierendraht und hörte zu, wenn man ihm etwas erzählte. Keine Spur von Angst.

Einige Zeit später fing Angel an, rückwärts zu gehen anstatt vorwärts. Hervorgerufen durch die zentralnervösen Störungen konnte er die Bewegungsabläufe nicht mehr beeinflussen. Die Wunden am Flügel brachen immer wieder auf, und der Blutverlust war teilweise nicht unerheblich. Danach war es nicht mehr möglich, ihn in der Voliere zu belassen. Die Verletzungsgefahr war zu groß, denn die Anfälle kamen immer öfter. Ich setzte ihn in einen langen, aber flachen Käfig, um zu beobachten, ob er dort zurecht kommt.

Eine Woche später entschloss ich mich, ihn einzuschläfern. Es war eine schwere Entscheidung. Aber während der ständigen Beobachtung dieses armen kleinen Nymphies war ich mir sicher, ihm ein noch längeres Leiden ersparen zu müssen. Auch der Käfig hielt ihn nicht davon ab gegen die Gitter zu springen und sich zu verletzen. Nicht nur die Häute, sondern bereits auch die Muskulatur hatte Schaden genommen. Der Vogel saß auf dem Boden, schüttelte den Kopf, führte unkoordinierte Flügelbewegungen durch und lief rückwärts - immer im Kreis. Für meinen Bekannten (Tierarzt) und mich war klar, dass wir einschreiten mußten, um ihn zu erlösen. Das ganze entwickelte sich innerhalb von drei Monaten zu dieser schweren Symptomatik. Am Anfang war nur die Unfähigkeit des Vogels, nach oben zu fliegen...

So, das war ein Bericht aus meiner "Praxis" und ich hoffe, dass ich ein bißchen zur Aufklärung über die Symptomatik und die Krankheitsentwicklung bei zentralnervösen Störungen/Epilepsie beitragen konnte

 
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