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Flugunfähigkeit ... - ein Bericht von Markus & Yiska: Diese Geschichte soll von Shaggy erzählen. Shaggy ist eine schöne Zimt-Schecke, weshalb wir bei der Namenssuche über "Schecki" zu "Shaggy" kamen. Wir haben Shaggy Anfang 2003 in der Zoo-Abteilung eines Baumarktes gesehen. Der Farbschlag hat uns auf Anhieb gut gefallen: der gelbe Kopf, die hell-grauen Flügel mit gelben Schwungfedern…nur leider sah sie nicht so gut aus. Das Gefieder war recht zerzaust und die langen Schwanzfedern abgebrochen oder abgeknabbert. Wir haben sie daher zunächst nicht gekauft. Da wir aber eh ein wenig am Werkeln in der Wohnung waren, haben wir sie regelmäßig besucht - etwa 5-6 Wochen lang. Sie schien sich zu erholen: das Gefieder wurde besser und sie wirkte agiler. Dann konnte ich Jessica nicht mehr abhalten, der Vogel musste gekauft werden. Ein komisches Gefühl hatten wir ja schon, denn unsere beiden Hähne hatten wir direkt vom Züchter gekauft. Im Übrigen erklärte uns die Verkäuferin es handele sich um einen jungen Hahn, weil der Kopf schon so gelb sei. Dem haben wir aber nicht getraut, eigentlich wollten wir auch eine Henne. Zuhause angekommen wurde sie von den anderen drei neugierig beäugt und in den Schwarm aufgenommen. Das alles ging zügig und problemlos. Nur Shaggys erste Flugversuche scheiterten: sie konnte die Flughöhe nicht halten und schien Probleme mit dem Steuern zu haben. Häufig stürzte sie ab. Wir hatten mitten im Wohnzimmer an der Decke einen "Baum" hängen, der der Stamm- und Schlafplatz der drei anderen war. Dieser war für Shaggy völlig unerreichbar. Wir mussten Shaggy mit einem Stock dorthin tragen. Beim ersten Mal als sie übrigens auf dem Baum saß, bewiesen uns Shaggy und Gandalf, dass Shaggy eine Henne ist: Gandalf bestieg sie, was Shaggy auch mit machte. Nur leider konnte sie das Gleichgewicht nicht halten und stürzte ab: Seitdem hat sie von solchen Aktionen eher Abstand genommen. Wir waren aber froh, wenn Shaggy von der hohen Voliere irgendwo auf der Fensterbank aufkam. Das bedeutete nämlich, dass Shaggy ihren Sturzflug erheblich besser kontrollieren konnte. Das baute uns auf. Ohnehin nahmen wir an, dass Shaggy nicht fliegen konnte, weil sie wohl beim Züchter schlecht gehalten wurde und auch im Baumarkt nicht fliegen konnte. Wir dachten einfach, sie hätte es nie richtig gelernt. Das erzählten wir auch unseren Bekannten. Einer kam Jessica besuchen als wir Shaggy etwa zwei Wochen bei uns hatten. Jessica bekam während der Unterhaltung einen Anruf und ging aus dem Wohnzimmer. Der Bekannte war mit den Vögeln alleine. Als Jessica wieder zurückkam, stolperte sie fast über Shaggy - im Flur! Der gute Mann hatte Shaggy etwas gescheucht - um sie zu "trainieren". Zu allem Überfluss grabschte er Shaggy und trug sie ins Wohnzimmer (Shaggy geht nur nach langem zögern und in deutlich erkennbarer Not auf einen Stock). Da hat sie sich gerächt und kräftig zugebissen. Ich bekam das alles nicht mit, weil ich arbeiten war. Und weil es mein Job war einen Messestand auf Termin aufzustellen kam ich auch sehr spät nach Hause. Mich erreichte gegen 21 Uhr Jessicas Anruf: Shaggy sitzt auf dem Baum und die Schwungfedern des linken Flügels hingen merkwürdig herunter; nachdem Shaggy recht schwungvoll Jessica ins Gesicht gedonnert ist. Jessica dachte, dass Shaggy sich den Flügel gebrochen hat als Jessica sich die Hände vors Gesicht geworfen hatte. Unseren TA konnte sie nicht erreichen, aber einen anderen. Der riet ihr abzuwarten, damit Shaggy nicht auch noch an einem Herzschlag stirbt. Sie blutete ja nicht. Ich kam so schnell ich konnte und sah nur noch die schlafende Shaggy mit ihrem komischen Flügel. Am nächsten morgen bin ich sofort mit Shaggy zu unserem TA (glücklicher Weise in der Nähe der Messe). Der schaute sie sich an und stellte fest, dass Shaggys Schwungfedern samt Fleisch nur noch an einem Faden hingen. Der Daumen, der die Schwungfedern aufspannt, und das umgebende Gewebe waren schwarz: abgestorben. Der TA versicherte uns, dass Shaggy sich den Flügel so nicht an Jessica gebrochen haben kann (Hebelwirkung usw., wenn wäre der Oberarm gebrochen). Wir erzählten ihm, dass Shaggy im Baumarkt zusammen mit einem Ziegensittich gesessen hatte. Wir vermuteten daher eine alte Verletzung durch den Ziegensittich. Damit Shaggy wieder geradeaus fliegen konnte kupierte der TA die Federn an dem rechten Flügel auch (nur die Schwungfedern, keine Knochen). Nun dachten wir: alles wird gut. Shaggy kann dann halt nicht fliegen. Eine Woche verging mit vielen Abstürzen: auf die Stange, zurück zur Voli, Abstürzen…irgendwann verhedderte sie sich am Fuß unseres Kerzenständers. Ich zog mir Handschuhe an und fing sie ein, weil sie plötzlich so panisch war vor der Stange. Als ich sie zurücksetzte wurde mir schlecht: auch die (jetzt kurzen) Schwungfedern des rechten Flügels hingen herunter. Shaggy flatterte und sie fielen einfach von ihr ab. Wir sind dann sofort zum TA, denn der hatte noch Sprechstunde. Ich habe mir wahnsinnige Vorwürfe gemacht, ich hätte ihr jetzt die letzte gute Seite gebrochen. Doch der TA sah das abgebrochene Stück und sagte, dass ich nichts dafür könnte. Er vermutete nun, dass nicht der Ziegensittich schuld sei, sondern der Züchter. Shaggy muss als Jungtier verpilztes Futter gefressen haben. Sie hat sich vergiftet und die Vergiftung führte zum Absterben der äußersten Extremitäten. Er hat sie erst einmal bei sich behalten, um sie beobachten zu können. Doch Shaggy erholte sich von dem Schock und es bildeten sich keine weiteren schwarzen Stellen oder Entzündungen. Von nun an bekam Shaggy regelmäßig Medizin: der TA machte uns einen hübschen Cocktail aus allerlei Tropfen, die Shaggy zur Genesung helfen sollten. Es ging ihm dabei vor allem um die Verbesserung der Haut- und Federbildung sowie um Entzündungshemmer. Dazu mischen wird seit dem Korvimin unters Futter und Vitamine ins Trinkwasser. Das alles mussten die anderen auch zu sich nehmen, weil wir Shaggy keine dauerhafte Trennung von den anderen zumuten wollten. Und die drei mussten auf ihren geliebten Schlafplatz, den Hängebaum verzichten, weil Shaggy dort alleine niemals hinkommt, es aber immer wieder versuchen würde. Shaggy ist der Schwarm sehr sehr wichtig. Und wenn die anderen irgendwo anders im Zimmer sitzen, so kann sie nicht allein zurückbleiben. Wir mussten also dafür sorgen, dass alle Sitzplätze im Wohnzimmer entweder "zu Fuß" erreichbar sind, oder aber sie wegbauen. Letzterer Maßnahme fiel auch der Sitzplatz "Decken-Armleuchter an Kette" zum Opfer. Die Geier sind aber intelligent und suchen sich andere unmögliche Sitzplätze. Z.B. die Gardinenstange. Da die Gardinenstange logischerweise nur über dem Fenster ist, konnte Shaggy nicht dorthin. Wir mussten (weil wir auf Gardinen im Wohnzimmer nicht verzichten wollten) die Gardinenstange verlängern: und zwar sogar über Eck. Das waren für Shaggy entspannte 6m Fußmarsch auf glattem Stahlrohr (sonst lassen sich die Stoffschlaufen der Gardinen nicht ziehen). Sie nutzte das Angebot trotzdem regelmäßig. Auch wenn die anderen sie regelmäßig davon runter schmissen, weil das rangniedrigste Tier doch wohl einem stolzen Hahn Platz zu machen hat. Wir leben also nicht nur mit allerlei lustigen Umbauten in unserem Wohnzimmer. Sondern auch mit einer Leiter, die vom Boden zur Voli führt, damit Shaggy nicht auf uns warten muss, wenn wir gerade in der Uni sind. Und auch die Stockprozedur, die sie nie wirklich mochte, blieb ihr so weitestgehend erspart. Einfangen brauchten wir sie gar nicht mehr. Nur leider entdeckte sie auch unsere Rattansessel und das entsprechende Sofa als wunderbare Möglichkeit um den Boden zu verlassen und an Höhe zu gewinnen. Einmal saß sie auf einem Sessel (wieder nach ein missglückten aber verzweifelten Flugversuch) und sah mich treu an…-und dann hackte sie in den Sessel und riss einen kleines Faserbündel aus meinem Sessel!!! Solche Situationen erfordern dann seeeehhhhr viel Geduld und Einfühlsamkeit. Shaggy verließ dann den Sessel etwas widerwillig auf einem Stock. Nun sind wir mit den Vögeln aber in das Arbeitszimmer gezogen. Wegen den Vögeln konnten unsere Gäste nicht auf der Schlafcouch im Wohnzimmer nächtigen, weil die Vögel immer eine Schlaflampe brauchen - stockfinstere Nacht verführt sie zu anhaltenden Fauch-Attacken. Und mit Schlaflampe kann ich z.B. nur im höchsten Notfall schlafen. Das Arbeitzimmer haben wir umbauen müssen, damit Platz für die (wie ich finde) recht großzügige Voli ist. Das erforderte einen neuen (von mir selbst entworfenen und gebauten) Schreibtisch. Eine Wand des Arbeitszimmers ist mit Regalen voll. Diese haben wir mit Vorhängen, die an einem Drahtseil dicht unter der Decke hängen, verdeckt. Sitzgelegenheiten haben wir im Moment nur noch vor dem Fenster (das mit einem Fliegengitter gesichert ist). So können alle ausgucken und die frische Luft genießen. Und wichtig: über das Gitter der Voli kann Shaggy diese Plätze alle erreichen. Es gibt auch noch einen Balkon auf den die Geier über das Voli-Dach gelangen, so sie nicht fliegen mögen. Dieser Umzug hat Shaggy sehr gut getan. Da der Raum etwas kleiner ist und die Vogelsitze alle in der Nähe der Voli sind, ist Shaggy nicht mehr allein. Also muss sie auch nicht versuchen hinterher zu fliegen. Sie hat gelernt, dass Fliegen für sie nicht gut ist (auch wenn sie es dann und wann doch noch mal probiert: es könnte ja wieder klappen!) Somit ist ihr liebster Ort die Voli, vor allem drinnen. Wenn die anderen da drauf sitzen oder daneben, dann reicht es der Shaggy und sie kann die Sonne genießen. Nur wenn alle Panik schieben, dann flattert auch Shaggy. Dabei schrabbt sie dann oft am Gitter lang und reißt sich eine der nachwachsenden Schwungfedern heraus, weil sie sich ja auch mit den Flügeln abstützen will. Wir sind daher am überlegen, die Innenseiten der Voli mit Plexiglas auszustatten, damit sie daran herunter rutscht ohne hängen zu bleiben. Den Aufprall verkraftet sie ganz gut. Die einzigen Verletzungen die immer wieder auftauchen sind die nachwachsenden Schwungfedern. Mittlerweile beißt Shaggy diese auch ab, wir wissen nicht ob Shaggy weiß, dass sie stören, oder ob Shaggy einfach nur das Blut schmecken mag… Die nächste problematische Situation ergab sich, als wir zwei Notfälle aufgenommen haben. Das Pärchen übernahm eigentlich sofort die Führung im Schwarm und scheuchte alle anderen weg. Nur Shaggy kann nicht wegfliegen wie die anderen. Es dauerte ein paar Tage, bis beide gemerkt haben, dass Shaggy nicht weggeht und trotzdem keine Gefahr ist. So geht nun alles seinen Gang. Shaggy lebt mit einem Schwarm und der Schwarm mit Shaggy. Wir geben jeden Tag frische Medikamente, Mineralien und Vitamine mit dem frischen Futter und Wasser, so dass jede Urlaubspflege eingewiesen werden muss. Wenn man im Wohnzimmer beim Fernsehen einen dumpfen Aufschlag hört einigt man sich schnell wer nach Shaggy schaut. Ach ja, und mit dem TA verstehen wir uns immer besser, wir sind kurz vor dem Du. Aber wir sprechen ja auch oft genug miteinander. Und bei soviel Aufwand, den eigentlich nur Shaggy erfordert, ist schon schön, wenn Shaggy sich von Klausi kraulen lässt und sich dann zwitschernd sonnt.
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