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Psittakose
Home - krank ?

Psittakose ...Copyright: Phantomine

 

- ein Bericht von AnKi:

 

Freitag Abend (10.10.) fiel mir auf, dass meine Tarzan noch schmusiger und anlehnungsbedürftiger war als üblich. Vorerst kein Grund zur Besorgnis. Samstag beobachtete ich jedoch, dass sie weder frass noch trank, weiterhin stellte ich fest, dass der Kot dünnflüssig und schleimig war.

Nachdem sich Sonntag früh daran nichts geändert hatte, ging ich sofort zur Tierärztin. Sie machte einen Kropf- sowie Kloakenabstrich, hielt eine Schleimhautentzündung für möglich, sagte jedoch, man müsse die Ergebnisse abwarten. Sie spritzte Tetracyclin sowie zur Stärkung B12.
Sofern Tarzan weiterhin nichts esse, solle ich sie füttern, da sie recht dünn sei (ca. 80-90 gr). Weiterhin gab sie mir ein Röhrchen mit, in dem ich Kotproben sammeln und ihr am nächsten Tag bringen sollte. Kosten: 26 Euro.

Wieder daheim, ging ich erstmal einkaufen: Hafer-Vollkorn-Schmelzflocken, Babybrei (Zwieback-Banane-Apfel sowie Kartoffel-Karotten), Karottensaft. Tarzan setzte ich in einen gesonderten Käfig, damit sie mehr Ruhe hatte und gab ihr die Möglichkeit, sich ins Rotlicht zu setzen, was sie auch gerne annahm.
Da sie weiterhin nichts frass, rührte ich dann aus den obigen Zutaten einen lecker Brei an, wickelte sie in ein Geschirrhandtuch und gab ihr alle 2 Stunden 2 ml mit der Spritze in den Schnabel. Danach hab ich ihr das Gesicht immer abgewaschen, da der Brei sehr hart wird, wenn er trocknet und alle Federchen verklebt. Über Nacht fütterte ich nicht.

Am nächsten Tag brachte ich die Kotprobe zur TA. Tarzan bekam nochmal eine Spritze. Die TA gab mit Bird-Bene-Bac-Gel mit zum Aufbau der Darmflora. Kosten: 26 Euro.

Da der Babybrei nicht unbedingt artgerecht ist (als Sonntags-Lösung aber sehr sinnvoll), bestellt ich bei Rico's Futterkiste Vogel-Babybrei, der dann auch am nächsten Tag da war. Diesen mischte ich mit Karottensaft und gab ihn ebenfalls per Spritze.

Am 14.10. war der Kot sichtlich besser. Und Tarzan knabberte auch mal kurz an der roten Kolbenhirse.

Am 16.10. rief die TA an und teilte mir mit, dass meine Tarzan Psittacose hat (Erreger = Chlamydien). Laborkosten: 70,-- Euro. Dem Amtstierarzt hatte sie es bereits gemeldet, er rief mich kurz darauf an, um einen Termin bei mir zu machen. Bin nach Feierabend zur TA und habe mir erstmal alle Anweisungen abgeholt, was im Einzelnen bedeutete: ich musste meine Wohnung komplett desinfizieren (meine Vögel hatten überall Freiflug), musste täglich die Voliere reinigen, musste alle 4 Vögel mit Antibiotikum behandeln (hierzu gab sie mir eine große Flasche Baytril oral mit), die Vögel hatten ab sofort Freiflugverbot. Als Desinfektionsmittel könne ich "Sagrotan med" benutzen (kann man ins Wischwasser tun, gibt's aber auch als Spray). Weitere Anweisungen gäbe mir der Amtstierarzt. Kosten: 22 Euro.
Es folgte ein Großeinkauf in der Apotheke (Desinfektionsmittel) sowie im Baumarkt (Atemmaske mit Aktivkohlefilter, welche ich lt. ATA zu verwenden hätte).

Am nächsten Tag ging ich zum Hausarzt und liess ebenfalls eine Blutuntersuchung auf Chlamydien machen, die jedoch glücklicherweise negativ ausfiel.

2 Tage lang desinfizierte ich meine Wohnung sowie die Voliere. Die Korksitzbrettchen warf ich fort, anderes Spielzeug warf ich zum Teil weg, teilweise habe ich es mit kochend heißem Wasser abgewaschen, desinfiziert und im Backofen bei 150°C so 20-30 Minuten gebacken.

Montags (19.10.) kam der ATA zu mir nach Hause, um sich ein Bild zu machen (allgemeine Haltung, Zustand der Vögel insgesamt). Ihm wäre es lieb gewesen, wenn ich einen Quarantäneraum gehabt hätte, aber er sah ein, dass dies bei mir nicht möglich ist. Er war dann zumindest erfreut, dass ich Laminatboden habe, den ich ja ständig wischen kann. Auch er wies mich nochmals an, meine Wohnung mindestens 3 x zu desinfizieren, die Voliere täglich zu reinigen (den Extra-Käfig mit Tarzan natürlich auch), keinen Freiflug zu gewähren (um weitere Kotstaubverteilung zu vermeiden, da Kotstaub als Überträger gilt) sowie meine Wohnung sozusagen unter Quarantäne zu stellen, also keinen längeren Besuch bekommen usw.. Das Ganze wurde mir auch noch schriftlich vom Ordnungsamt mitgeteilt. Kosten für einen 3-seitigen Brief: 26,-- Euro

Laut TA und ATA kommt Psittakose häufiger vor, als man denkt. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie sich die Tiere das holen können:
- manche Vögel tragen den Erreger jahrelang, von klein auf, in sich, aber die Psittacose bricht erst in einer Stress-Situation aus (dies halte ich in meinem Fall für nicht unwahrscheinlich, denn Stress hatte Tarzan genug, da durch die Jungvögel, die ich im Sommer bekam, die Rangordnung neu festgelegt werden musste; weiterhin hatte Tarzan schon immer verklebte Nasenfederchen, was lt. Internet auch ein Anzeichen sein könne (Nasenfluss genannt))
- neue Vögel schleppen es ein
- durch Kotstaub von freifliegenden Vögeln: nicht nur Tauben, sondern auch ganz gewöhnliche Spatzen haben zu 60 - 80% den Erreger in sich, allerdings nennt man das dann Ornithose. (Auch diese Möglichkeit will ich in meinem Fall nicht ausschliessen, da ich im Winter auf dem Balkon füttere und im Sommer Wasser anbiete,....da geht's als ganz schön rund).
Abschliessend kann man es nicht mehr feststellen, woher es kam. Behandelt werden müssen jedenfalls ALLE Vögel. Auch ist anzumerken, dass die Vögel nach der Behandlung nicht immun gegen den Erreger sind, sondern diese Krankheit leider immer wieder bekommen können.

Nochmals zur Fütterung: anfangs gab ich alle 2 Stunden 2 ml Brei, später dann alle 3-4 Stunden 3-4 ml. Am 24.10. hörte ich zu füttern auf, da Tarzan inzwischen wohl Gefallen daran gefunden hatte, sie frass von alleine gar nichts. Und siehe da: nach mehreren Protest-Schreien frass und trank sie abends von alleine. Nach 2 Tagen selbständigem Fressen, setzte ich sie wieder zu den anderen in die Voliere, somit war wenigstens 1 Käfig weniger zu reinigen.

Die Antibiotika gab ich bis zum 30.10., also 2 Wochen. Nach einer gewissen Frist musste ich am 10. sowie am 17.11. nochmals eine Sammelkotprobe zur Kontrolle beim ATA abgeben. Beide Ergebnisse (die ich am 18. und 23.11. bekam) waren zum Glück negativ.

Der erste Freiflug wurde genossen, auch wenn meine 4 schnell ausser Puste waren. Aber die Kondition stellte sich bald wieder ein.

Der ganze Spuk dauerte also gute 6 Wochen. Hier nochmal die Gesamtkosten:
Tierarzt inkl. Medikamente: 74,-- Euro
Labor: 70,-- Euro
Ordnungsamt: 26,-- Euro
Desinfektionsmittel, Aktivkohle-Atemmaske: 80,-- Euro
Babybrei usw. ca. 10,-- Euro
Gesamt: 260,-- Euro
Nebeneffekt: über 1 Woche Vogel-Fütterungs-Urlaub.

Abschliessendes Fazit: keine Panik, falls es mal diese Diagnose gibt. Wichtig ist nur die frühe Erkennung durch die entsprechende Untersuchung. Wenn man sich an alle Anweisungen hält, ist es heilbar, auch wenn die Begleitumstände nervig und zeitraubend sind.
Und es wird alles aufgewogen, wenn die Puschels dann wieder gesund und munter sind.

 
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