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Jacob, 26 Jahre von Thomas
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Copyright: Phantomine
Jacob, 26 Jahre

( * 1980 - † 09.12.2006, 11:08 Uhr)

 

 

Thomas erzählt über Jacob:

"Schon in meiner Kindheit hatten wir eigentlich immer einen Vogel als Haustier. Meist in Einzelhaltung, das Thema "tiergerechte Haltung" war für uns ein Fremdwort. Erst war es ein Welli (blau, wenn ich mich recht erinnere), dann ein Kanarienvogel mit leicht oranger Tönung. Der Welli entfleuchte relativ schnell und der Kanarie lebte nur ein paar Jahre. Dann gab es den ersten Nymphy, Bibo. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, was mit ihm letztlich geschah, ob er auch entfleuchte oder früh verstarb.

Anfang der 80er brachte dann mein Vater ein etwas seltsames Pärchen mit ins Haus, ein Nymphy und ein Welli in einer "Männer-Wohngemeinschaft", beide angeblich etwa 2 Jahre alt. Beim Nymphy mochte das stimmen, der Welli hatte aber mit Sicherheit schon mehr Flugstunden auf der Uhr, so 5-8 meinte mein damaliger Zoohändler, als er ihm die mal Krallen stutzte. Mein Vater hatte beide von Bekannten bekommen, die wohl keine Lust mehr dazu hatten. Beide waren nicht besonders zutraulich und der Nymphy brachte außer seinen normalen "Geräuschen" auch etwas heraus, was so ähnlich wie "Jacob" klang, so bekam er seinen Namen. Es sah übrigens wirklich drollig aus, wenn der kleine Grüne dem großen Grauen den Kopf kraulte. Viel habe ich von der Anfangszeit aber nicht mitbekommen, ich war damals Zeitsoldat bei der Bundeswehr und nur am Wochenende zu Hause. Der Welli starb Mitte der 80er, das Geschrei bei Jacob war dementsprechend, war doch sein Spielgefährte plötzlich weg.

Mit der Zeit beruhigte sich Jacob und nahm uns als Familie an. Gleichzeitig wurde er auch etwas zahmer, flog auf die Schulter, liess sich den Kopf kraulen und auch auf den Arm nehmen. Aber nur, wenn Stoff darüber war, auf die nackte Haut kam er nie oder flog gleich wieder weg. Er lernte das Pfeifen ein wenig, aber zu mehr als "Du bist verrückt mein Kind", die ersten Takte des River-Kwai-Marsches und den Pfiff, den man hübschen Mädchen hinterher schickt, reichte es dann doch nicht.

Die Jahre gingen ereignislos ins Land, wir spielten mit ihm, er terrorisierte uns, wie das Vögel nun mal so gerne tun. Er knabberte alles an, platzierte überall seine Hinterlassenschaften und zeigte auch nicht immer die besten Tischmanieren, indem er mitten über die Butter lief. Aber trotzdem hatten wir alle unseren Spaß!

Vor einigen Wochen kam dann der Tag, wo er wie so oft aus der Küche ins Wohnzimmer fliegen wollte. Ganz schaffte er es nicht, er landete vor kurz hinter der Wohnzimmertür etwas unsanft auf dem Boden, rappelte sich aber wieder auf und schaffte auch den kurzen Hopser auf den Tisch. Seine Ausflüge wurden danach immer seltener und kürzer, aber sonst war er eigentlich guter Dinge.

Kurz danach fiel mir auf, dass sein einer Flügel an der Vorderkante etwas dicker war. Die Tierärztin wusste nicht so recht, wir wollten erstmal abwarten. Als es dicker wurde und auch langsam die Federn in dem Bereich verschwanden (ob ausgefallen oder ausgerupft weiß ich nicht), gab es Salbe drauf. Aber es wurde immer dicker und manchmal flatterte Jacob erschreckt auf, weil er wohl meinte, jemand würde ihm am Fügel berühren.

Beim letzten Tierarzt-Besuch meinte die Ärztin dann, dass sie nichts mehr tun kann ausser ihm den Flügel zu amputieren oder ihn von seinen Schmerzen zu erlösen, wobei die erste Variante ihrer Vorstellungen einer artgerechte Tierhaltung widerspräche. Schweren Herzens stimmte ich der Erlösung zu, eigentlich hatte ich mich schon auf der Fahrt zum Arzt gedanklich auf den Abschied vorbereitet. Nach wenigen Sekunden schloß Jacob seine Äuglein, die Qualen waren vorrüber.

So endeten über 25 Jahre einer schönen Freundschaft, ich werde den grauen Schreihals nicht vergessen. Jetzt kann er wieder mit meinem Vater spielen und sich von ihm den Kopf kraulen lassen."

(Fotos zur Vergrößerung anklicken!)
Copyright: Thomas
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Copyright: Thomas
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