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Wie entstehen die verschiedenen Farbschläge?
Home - Farbschläge

Copyright: Phantomine

 

Einen Kurzabriss über die Erbgänge findet Ihr hier.

Weiter in die Tiefe zur Genetik der Nymphensittiche und zur Vererbung geht es im Menüpunkt "Brut und Zucht" unter Vererbungslehre.



Vererbungslehre / Erbgänge:

So geheimnisvoll wie sich unsere Nymphies schon immer zeigten und noch zeigen (Kakadu oder Plattschweifsittich? Männchen oder Weibchen?), so kompliziert ist auch ihre Vererbungslehre - für die meisten von uns zumindest! Zwar können alle Farbschläge untereinander gekreuzt werden, aber die Farben des Nachwuchses hängen von verschiedenen Aspekten ab, deren Grundlagen in den drei nachfolgend beschriebenen verschiedenen Vererbungsweisen liegen und darin, ob und wie die Eltern rein- oder spalterbig sind.

Die Vererbungsweisen werden in drei Gruppen aufgeteilt:

- dominant
- rezessiv
- geschlechtsgebunden

 

dominante Erbgänge:

Von dominanten Erbgängen spricht man, wenn der Farbschlag direkt (ganz oder teilweise) von den Eltern auf die Jungen vererbt wird. Dunklere Farben werden dabei die helleren überdecken. Reinerbige Eltern werden nur wieder reinerbige Junge der gleichen Farbe haben. Hatten die dominant vererbenden Eltern aber Vorfahren mit rezessiven Erbgängen, so sind sie dominant spalterbig und können ihre Spalterbigkeit weitergeben.
Dominant silber ist von rezessiv silber durch die üblicherweise schwarzen Augen zu unterscheiden
.

wildfarben, silber (d)

Teildominant sind die sog. Kopffleckschecken, die von ihren Eltern (i.d. R. wildfarben und gescheckt) die dominante Gefiederfarbe als überwiegende Farbe mitbekommen haben und der Einfluß des Schecken nur durch unterschiedlich große helle Flecken auf dem Kopf erscheint.

Beispiel:
wildfarben x wildfarben = wildfarben (100%)
wildfarben Kopffleckschecke x wildfarben Kopffleckschecke = wildfarben Kopffleckschecke (75%) und wildfarben Schecke (25%)

 

rezessive Erbgänge:

Rezessive Erbänge liegen vor, wenn ein Farbschlag "versteckt" weitergegeben wird: d.h., dass die Jungen zwar nicht die rezessive Farbe zeigen, sie wohl aber im Erbgut vorhanden ist. Treffen nun Eltern zusammen, die beide rezessive Farben im Erbgut haben, so wird die rezessive Farbe bei deren Nachwuchs anteilig in Erscheinung treten, je nachdem, welches Chromosom ( x oder y) der Träger der Farbe ist (Erklärung zu den Chromosomen unter geschlechtsgebundene Erbgänge).
Der Farbschlag rezessiv silber hat rote Augen im Gegensatz zu dominant silber.

Man spricht von spalterbig, wenn andere Farben im Erbgut vorhanden sind, aber (noch) nicht in Erscheinung treten.

Weißkopf, Falbe, silber (r)

Beispiel:
wildfarben x Weißkopf = wildfarben (aber spalterbig Weißkopf!) (100%)
wildfarben (spalterbig Weißkopf) x wildfarben (spalterbig Weißkopf) = wildfarben (spalterbig Weißkopf) (50%), wildfarben (25%) und Weißkopf (25%)
wildfarben (spalterbig Weißkopf) x Weißkopf = wildfarben (spalterbig Weißkopf) (50%) und Weißkopf (50%)

 

geschlechtsgebundene Erbgänge:

Jedes Lebewesen hat zwei Geschlechtschromosomen: Männchen XX, Weibchen XY ( X = das männliche Chromosom, Y das weibliche)
Bei der Vererbung wird jeweils ein Chromsom jedes Elternteils weitergegeben und dementsprechend wird der Nachwuchs entweder männlich oder weiblich:
z. B. das 1. X des Männchens und das 1. X des Weibchens macht XX, also wieder ein Männchen; treffen aber das 1. X des Männchens auf das Y des Weibchens, so entsteht XY, ein Weibchen; und weiter geht's: das 2. X des Männchens und das 1. X des Weibchens = XX ( ein Männchen), das 2. X des Männchens auf das Y des Weibchens = XY (ein Weibchen).
Bei der geschlechtsgebundenen Vererbung liegt der Farbschlag jeweils auf dem X-Chromosom, nie aber auf dem weiblichen Y: d. h. dass Weibchen in den geschlechtsgebundenen Farbschlägen auch nie spalterbig sein können, da die Farbe auf ihrem (einzigen) X liegt. Hat also ein Weibchen den geschlechtsgebundenen Farbschlag zimt auf seinem X mitbekommen, dann wird es auch zimtfarben aussehen. Männchen hingegen können sehr wohl spalterbig sein, da die Farbe auf jedem der beiden bei ihm vorhandenen X liegen kann.
Die geschlechtsgebundene Vererbung erfolgt geschlechtsabhängig dominant oder rezessiv.

zimt, geperlt, Lutino

Beispiel:
Männchen zimt (reinerbig) x Weibchen zimt = zimt (100%)
Männchen wildfarben (spalterbig zimt) x Weibchen zimt = zimt (50%) (= Männchen und Weibchen), wildfarben (spalterbig zimt) 25% (= Männchen) und wildfarben (reinerbig) 25% (=Weibchen)
Männchen wildfarben (spalterbig zimt) x Weibchen wildfarben = wildfarben (reinerbig) (50%) (= Männchen und Weibchen), wildfarben (spalterbig zimt) (25%) (= Männchen) und zimt (reinerbig) (25%) (= Weibchen)

 

Anhand dieser Grundlagen und anhand der Beispiele könntet Ihr nun selbst feststellen, welchen Nachwuchs Eure Nymphies haben werden, welches Geschlecht welcher Farbschlag haben wird und was die Eltern Eurer Nymphies gewesen sein könnten. Aber seid gewarnt...ohne Zettel, Stift und größeres Rechnen wird die Klassifizierung - besonders bei den geschlechtgebundenen Erbgängen - schwierig!

Einfacher geht es, wenn Euch das Gebiet der Vererbungslehre bei den Nymphies interessiert, wenn Ihr das Buch von Radtke zu Rate zieht, in dem sehr detailliert die Möglichkeiten beschrieben werden. Oder aber Ihr vertieft Euch in unsere hier im NL online gestellten Texte unter Vererbungslehre.

Als wichtigen Hinweis möchten wir noch folgendes anführen:
Wie der Literatur des öfteren zu entnehmen war, tritt offensichtlich rotes/ oranges Gefieder (außer der üblichen Wangenflecken) gelegentlich bei Nymphies auf. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine neue Farbe, sondern um ein Anzeichen, dass der Nymphy "krank" ist: insbesondere Streß und fehlerhafte Haltung sollen dafür ausschlagebend sein. Sind diese Negativ-Faktoren beseitigt, so treten die roten/ orangen Federn nach der nächsten Mauser nicht mehr auf.
Wir können das bestätigen: bei einem Nymphy, der im Verkaufsraum einer Zoohandlung gehalten wurde, hatten wir besagtes Gefieder (orangefarbene Haubenfedern) gesehen; nach einem Ortswechsel und der darauffolgenden, nächsten Mauser waren die Federn verschwunden!

 
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